Spaniens Jugend auf der Straße


http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1461987/

Spaniens Jugend geht für selbstverständliche Forderungen auf die Straße. Interessant ist, dass die Presse, obwohl die Proteste schon mehrere Tage laufen, erst heute anfängt darüber zu berichten. So als ob solche Proteste in Spanien totgeschwiegen werden sollte, während jede Kleinstdemo im arabischen Raum gleich auf Seite 1 gelangt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt … .

Nur weil wir in Europa auf dem Papier in einer Demokratie leben, heißt das noch lange nicht, das wir als Volk defakto mehr politisches Mitbestimmungsrecht haben, als der gemeine Araber.

Die spanische Jugend prangert Dinge an, die auch in Deutschland an der Tagesordnung sind:

Korruption

Sie wollen, dass korrupte Politiker nicht mehr zu Wahlen zugelassen werden dürfen. Das ist eigentlich eine logische und richtige Schlussfolgerung. Wer sich im Amt bestechen lässt, begeht Volksverrat! Damit dürften in Deutschland alle FDPler und die Hälfte der CDUler nicht mehr im Amt sein (allein schon so viele Nebenjobs zu haben ist legale Korruption …).

Ich kenne die Korrputionsskandale in Spanien nicht im Detail, aber drüben wie hüben scheint vieles im Argen zu sein.

Aber in Deutschland interessiert die Korruption der eigenen Parteien niemand und wenn die anderen dagegen protestieren … sind das nur linke Krawallmacher.

Schönes Beispiel der neue Flughafen Schönefeld:

Der Ort ist vollkommen ungeeignet für die Errichtung, weil die Flugrouten direkt über ein Wohngebiet gehen. In Brandenburg 30km weiter gab es ein viel geeigneteren Platz für einen Flughafen.

Gebaut wurde er aber in Schönefeld, weil Diepgen seinen Berliner Baukumpels versprochen hat, das sie die Milliardenaufträge kriegen, was nicht gegangen wäre, wenn der neue Großflughafen für Berlin/Brandenburg nicht in Schönefeld sondern weiter draußen gebaut werden würde.

Ein korrupter Politiker hat also, um ein paar wenigen Firmenchefs Geld zuzustecken, die Berliner, die dort wohnen verraten, welche natürliche Protestieren (aber es wird kaum berichtet: http://www.tagesspiegel.de/berlin/15-000-menschen-protestieren-gegen-flugrouten/3726212.html ).

Das ist nur eines von vielen Beispielen aus der deutschen Politik (Finanzminister, die vergessen wo Geldkoffer stehen, Ehrenvorsitzende von Parteien, die in gewaltige Parteispendenaffären verwickelt sind, ein ehemaliger Innenminster, jetzt Verteidigungsminister, der kriminelle Machschaften seiner Landespartei vertuscht hat …)

Die deutsche Jugend sollte sich ein Beispiel an der spanischen nehmen und auch Massenproteste starten.

Beleidigung

Sie gehen auf die Straße, weil sie seitens der Politik als faule Taugenichtse beschimpfte werden … kommt einen das bekannt vor? Achja, die elende hartz4-Diskussion.

Politikern sollte es unter Strafandrohung verboten sein, pauschal Teile der eigenen Bevölkerung zu beleidigen! Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Weniger Kapitalismus

Die spanische Jugend geht auf die Straße, weil die Politik nur noch nach dem Diktat des Finanzmarktes agiert und defacto seine Macht verloren hat.

Ein Land wird nicht mehr vom Souverän, dem Volk regiert, sondern vom Souverän, dem Geldadel.

In Deutschland ist das genauso.

Kanzlerin ‚Alternativlos‘ regiert uns nach dem Diktat des Geldes und nicht nach dem Diktat des Volkes. Hier wie Dort müssen Lobbyismus und Einfluss weniger einflussreicher reicher Institutionen und Einzelmenschen zurückgedrängt werden, damit wir wieder eine Demokratie haben.

Echte politische Teilhabe

In Spanien ermöglicht das Wahlsystem eine defacto 2-Parteiendiktatur. Genauso wie in Deutschland ist es sogut wie unmöglich, eine neue Partei zu gründen und damit erfolgreich zu sein.

In Spanien liegt das direkt am Wahlsystem (in Deutschland weniger, in Deutschland ist das mehr ein Problem der gleichgeschalteten Medien).

Wer in Deutschland eine neue Partei gründet, welche nicht direkt 1zu1 ein Wahlprogramm der etablierten Parteien kopiert, wird direkt in die Spinnerecke gestellt (Piratenpartei, neue Freiheit).

Bei Wahlen werden Kleinparteien von der Berichterstattung ignoriert und was noch schlimmer ist, die Wahlumfragen sorgen dafür, dass die kleinen so gut wie keine Chance haben.

Denn die Veröffentlichung von Wahlumfragen verändert das Wahlverhalten der Massen. Wahlumfragen sollten verboten werden. Denn das angebliche Wissen darüber, was die anderen Wählen würden, sorgt dafür, das man selber auch mehr das wählt, was die Massen wählen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,762837,00.html.

Das ist soziale Kontrolle und so kann man über Wahlumfragen die Wahlergebnisse extrem beeinflussen und kleine Parteien unten halten. Leider ist der Mensch viel zu leicht manipulierbar, was die meisten aber, konfrontiert mit solchen Ergebnissen, nicht wahrhaben wollen, was es den Manipulatoren nur noch einfacher macht.

Partei- vor Staatsinteressen

In Spanien blockiert die PP die PSOE immer unabhängig davon, welche Reformen diese durchführt. Das heißt, die PP will gut aussehen, in dem sie die PSOE handlungsunfähig macht … sie macht also das Regieren unmöglich, damit die eigene Partei gut aussieht. Das ist eine Schweinerei und Volksverrat, aus Parteitaktischen Interessen jegliche Reform zu verhindern.

In Deutschland ist das genauso der Fall.

Sobald die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag oder Rat es zulassen, blockiert die SPD die CDU oder die CDU die SPD (bzw. Bürgerliches Lager das Linke Lager und umgekehrt).

Anstatt Reformen gemeinsam anzugehen, vernünftige zuzulassen, wird das nicht getan, sondern blockiert, blockiert, blockiert, damit die andere Partei ja auch Stimmen verliert.

Nur sind die Jugendlichen in Spanien (und hoffentlich auch in Deutschland) nicht mehr blöd genug, so ein kindisches Verhalten den Parteien durchgehen zu lassen.

Instrumentalisierung durch die Parteien

Und kaum gehen die Jugendlichen auf die Straße, wollen PP und PSOE sich deren Dinge auf die Fahne schreiben. Doch das ist nun zu spät. Korrpute, asoziale Parteien, die nicht das Volk vertreten, gehören weg!

Ich wünsche der spanischen Jugend viel Erfolg bei ihren Protesten und wünsche mir ähnliches für Deutschland. Etwas mehr Revolutionsgeist in Deutschland bitte.

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    • cantar
    • 19. Mai 2011

    In Hinsicht auf Korruption und im Vergleich zu Spanien ist Deutschland ein Paradies der Rechtschaffenheit

    • Da bin ich durchaus anderer Meinung (es sei denn ich unterschätze die Korruption in Spanien um den Faktor 10 und dort geht es mehr zu, wie in einer dritte Welt Diktatur in Afrika).
      Die meisten Korruptionsskandale in Deutschland kommen doch nicht raus. Sei es S21, der neue Flughafen BBI, dass Politiker Nebenjobs haben, die in der Theorie 200 und mehr Arbeitsstunden pro Woche bedeuten würden, wenn sie mehr wären, als reine ‚Ich kauf mir einen Politiker-Posten‘.
      Die Seilschaften und Pöstchenschieberei innerhalb der Beamtenstuben usw.

      Nur weil das gemeine in Deutschland noch keine Bestechungsgelder an Beamte zahlen muss, damit etwas erledigt wird oder man die Grenze passieren kann, heißt das noch lange nicht, dass in Deutschland keine Korruption herrscht.
      Nur weil man sie nicht direkt spürt (sondern nur in Form höherer Steuern und Abgaben), heißt es nicht, dass sie nicht da ist.

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