Es ist Streik … und alle meckern drüber?!?!?


Es ist mal wieder Bahnstreik. Anscheinend sind die Lokführer die einzigen in Deutschland, die nicht vergessen haben, wie man Streikt.  Nun ist das Streikrecht in Deutschland grundsätzlich nur ein Papiertiger.

In Deutschland darf man nicht gegen politische Entscheidungen streiken, d. H. z.B. die 1-Euro-Jobber dürfen nicht gegen die 1-Euro Jobs streiken, weil diese ein politisches Instrument sind.

Die Arbeitnehmer dürfen nicht gegen Hartz4 streiken und wenn morgen Bundestag und Bundesrat die Abschaffung der gesetzlichen Krankenkassen beschließen würden, dürfte kein einziger Deutscher deswegen in den Streik gehen, weil er ohne gesetzlichen Krankenschutz nicht arbeiten will….

Genauso wenig dürfen Beamte in Deutschland streiken. d. H. Beamte müssen sämtliche Missstände auf Arbeit einfach hinnehmen und haben keine Instrumente, um diesem zu entgehen. Es gibt sicher unzählige Arbeitsagenturbeamte, die nicht gern die idiotischen Vorgaben, die dazu führen, dass sie Arbeitslose drangsalieren müssen (zu erfüllende Quoten bei Einsparungen!).

Ich hoffe nur wenige Beamte in der Agentur finden es toll, dass sie so viele Strafen wie möglich aussprechen müssen und sind dabei hoffentlich nicht immun gegen den Schaden, den sie dabei bei einigen anrichten. Damit ist nicht gesagt, dass Hartz4 Empfänger, die komplett die Mitarbeit verweigern, nicht bestraft gehören, aber in der politisch vorgegebenen Sparwut gehen die Arbeitsagenturen willkürlich vor und zu weit.

Aber wie auch immer, hier geht es nicht um die bereits im Netz ausführlich dokumentierten Missstände durch die Hartz-Reformen.

Hier geht es darum, dass in Deutschland die GDL streikt.

Und Deutschland ist genervt

Na hoppla, da Streikt jemand und das ist für uns unbequem … wie kann das denn passieren, können die nicht bitte schön dort streiken, wo es keinen stört?

Die meisten Nachrichtenmeldungen geben nicht wirklich wieder, warum gestreikt wird und so gut wie keiner geht darauf ein, warum es gut ist, dass gestreikt wird.

Hier ist ein Artikel, der den Grund etwas knapp formuliert: http://www.wz-newsline.de/home/wirtschaft/warum-die-gdl-streiken-will-1.599032

Die streiken für einen Branchentarifvertrag? Die streiken nicht mal für die eigene Firma, sondern für die Lokführer bei der Konkurrenz? Sind die total bekloppt?

Nein, sind sie nicht, immerhin haben über 90% der Mitglieder der GDL für den Streik gestimmt … die sind sicher nicht alle dumm.

Ergänzung zum Artikel zu einigen in den Medien und von der Mehrheit falsch wahrgenommenen Dingen:

Die Privatbahnen werden genauso bestreikt, wie die Deutsche Bahn.

Vgl. dazu: http://news.de.msn.com/wirtschaft/wirtschaft.aspx?cp-documentid=156355905

Die deutsche Bahn wird mit bestreikt, weil auch die deutsch Bahn sich verweigert, einen vernünftigen Branchentarifvertrag abzuschließen. Die Angebote der deutschen Bahn dahingehend waren ein Witz und sahen bisher vor, die Gehälter aller Lokführer mittelfristig zu senken.

Vgl.: http://www.neues-deutschland.de/artikel/192695.kommt-der-unbefristete-streik.html

Die Streiks sind mehr als gerechtfertigt.

Damit die DB nicht bestreikt wird, muss sie einen vernünftigen Flächentarifvertrag vorlegen, damit die Privatbahnen nicht bestreikt werden, müssen diese einem Flächentarifvertrag zustimmen.

So simpel ist das.

Es gibt zwei sehr gute Gründe, warum die Arbeitnehmer einer ganzen Branche zusammenhalten sollten:

1. Solidarität zwischen den Arbeitnehmern. Wenn die Arbeitgeber es schaffen, die Arbeitnehmer gegeneinander auszuspielen, verlieren sie ihre Macht. Darum gibt es u.a. Gewerkschaften, damit Arbeitnehmer nicht den Arbeitgebern willenlos ausgeliefert sind. Konkurrenz zwischen den Betrieben auf Kosten der Beschäftigten ist immer falsch.

Das war schon bei der PinAG gegen die Post so. Hätte man keinen Postmindestlohn durchgesetzt, müsste die deutsche Post Arbeitsstellen zugunsten von PinAG Hartz4 Aufstockern abbauen.

d. H. sozialversicheurngspflichtige Arbeitsplätze werden durch mangelnde Solidarität unter den Arbeitnehmern innerhalb einer Branche zu Aufstockerarbeitsplätzen umgebaut.

2. Nur durch billigere Löhne konkurrenzfähig zu sein (vor allem wenn sie aufgestockt werden müssen! also wir sie über unsere Sozialabgaben trotzdem zahlen, anstatt im Preis), darf kein Geschäftsmodell in Deutschland sein!

Die GDL hat das erkannt und handelt entsprechend. Und es ist richtig so!

Ja, auch ich bin betroffen von solchen Streiks (sonst hätte ich jetzt nicht die Zeit hier zu schreiben). Aber Streiks müssen unbequem sein! Sie müssen Schaden zufügen! Das ist der Sinn eines Streikes.

Es sollten noch viel mehr Leute in Deutschland streiken.

Die Putzfrauen, deren Löhne alle aufgestockt werden müssen, die sollten mal streiken! Aber dann kann ich mir das Gejammer schon vorstellen, dass dann herrschen muss.

Der Deutsche ist komplett entsolidarisiert, sobald es um mehr als eine symbolische Unterstützung im Internet z.B. durch ein Facebook-Like geht. Ich mein, ich bin zwar gegen Guttenberg, aber am Beispiel der Pro-Guttenbergdemos zeigt sich doch, dass selbst die überzeugtesten Dummbratzen, die ProGuttenberg argumentieren, sich nicht aufraffen können, für ihn Demonstrieren zu gehen (500 000 Facebook-Likes und 1000 Demonstranten in ganz Deutschland … wow).

So eine mangelnde echte Solidarität ist leider nicht nur bei Guttenbergfans verbreitet, sondern in ganz Deutschland.

Vorm Computer darf man mal zustimmen, aber wehe es wird unbequem für einen selber!

In der Hinsicht wurde ganze Arbeit geleistet, der Deutsche ist Faul und Bequem geworden, wenn es um die Verteidigung seiner von vor 100 Jahren erkämpften Rechte geht. Die Gesellschaft ist entsolidarisiert, die Arbeitgeber und Politik versucht die Arbeitnehmer gegeneinander auszuspielen und wenn eine Gewerkschaft mal nicht mitspielt und dabei auch noch die Chance hat, Deutschlandweit darauf aufmerksam zu machen, wird von den Medien eine echte Hetze veranstaltet.

Streiks müssen weh tun. Sie müssen wirtschaftlich den Firmen Schmerzen bereiten. Und das geht nur, wenn die Kunden dieser Firmen nicht die Leistung der Firma in Anspruch nehmen können.

Und die Kunden sollten sich solidarisch mit den Streikenden zeigen … auch wenn es schmerzt.

Streiks die nicht Schmerzen, bringen nichts. Den Geschäftsführer der deutschen Bahn interessiert es nicht, wenn ein paar Lokführer vor seinem Büro ein Ballett aufführen, ihn interessiert es aber, wenn millionen Kunden unglücklich sind!

Hört also auf so bequem und verweichlicht zu sein und über solche Streiks zu jammern!s

P.S.: Ja, ich weiß, ich pauschalisiere hier ganz schön stark, es gibt zum Glück Leute, die sich mit den Streikenden solidarisch zeigen, aber in den Medien werden sie wie eine Minderheit dargestellt.

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  1. hoffentlich erstreiken sie gerechte Veränderungen …

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